24 November 2017

Radkritik ist nicht lustig

Ich wäre gerne lustiger. Geht aber nicht. Das Lachen bleibt mir schon im Vorhals stecken.

Nehmen wir mal die Bild-Zeitung und ihre Ableger Auto-Bild und Bike-Bild. Aus ihnen trieft, Seite um Seite, die Unwahrheit, die Niedertracht, die bewusste Verzerrung von Fakten. Die Bild, sagt Max Goldt, habe eine "jahrzehntelange Tradition im Versimpeln, Verbiegen und Verleumden".

Er schreibt:
„Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht.
Es ist falsch, sie zu lesen.
Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel.
Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein.
Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt.
Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“
(Max Goldt, Mein Nachbar und der Zynismus. In: Der Krapfen auf dem Sims. Reinbek: Rowohlt Verlag; 2003)
Man wünscht den Redakteuren der Bild-Blätter das Fusobacterium nucleatum an den Hals, und nicht nur an den Vorhals.

19 November 2017

Karl Kraus

Der Fahrradjournalismus ist ein schönes Beispiel dafür, wie man eine "gute Sache aus Abscheu gegen ihre Verfechter im Stich lassen" (Karl Kraus) kann.

Fahrrad und Radfahren sind im Großen und Ganzen eine feine Sache, doch Vertreter der hippen bike culture nehmen mir den Glauben am Guten genauso wie die Redakteure von "aktiv Radfahren" und "Tour". Werbung, Schleichwerbung, Pseudo-Tests, Rennsport über alles; nie geht es um Vernunft und vernünftige Fortbewegung, sondern immer nur um Image-Gewinn oder Produkte mit unanständig hohen Gewinnmargen.
"Ich verlange von einer Stadt, in der ich leben soll, Asphalt, Straßenspülung, Haustorschlüssel, Luftheizung, Wasserleitung. Gemütlich bin ich selbst."
(Karl Kraus).
Kraus hat die Fahrradwege vergessen. Die Fahrradpresse leider auch. Und die Regierung erst recht.

18 November 2017

It's all about the place

Die Werbung der Fahrradindustrie verheißt dem Radfahrer nur dann uneingeschränktes Glück auf zwei Rädern, wenn diese Räder der neusten Technologie entsprechen und an einem Rahmen samt Gabel sitzen, die im Rennsport erprobt sind oder sich durch ein anderes Merkmal, echt oder künstlich, vom Alltagsrad unterscheiden.

Der einsame Radler am Strand, der auf einem billigen Kaufhaus-Bike den Strand entlangcruist, ist glücklich. Dazu benötigt er weder Countervail Vibration Cancelling Composite Technology noch irgendeinen anderen Schnickschnack.

Anstatt 3000 Euro in ein Rad zu stecken, das in der heimischen Garage versauert, mietet oder kauft der kluge Radfahrer am Zielort seiner Träume ein einfaches Rad und achtet dabei nur auf eins: dass es rollt.

Es gibt nur ein Traumfahrrad, nämlich eins, das zur richtigen Zeit am richtigen Ort fahrbereit vor einem steht.

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